Die Schildkröte hatte lange geglaubt, ihr Panzer sei nur ein Haus.
Ein Schutzraum für müde Tage.
Ein Ort zum Innehalten.
Eine kleine, tragbare Welt.
Doch eines Morgens bemerkte sie, dass auf ihrem Panzer Wege verliefen.
Breite Wege und schmale.
Helle Plätze und geschützte Nischen.
Übergänge, an denen man langsam werden durfte.
Orte, an denen niemand laut sein musste, um gesehen zu werden.
Die Schildkröte blieb stehen.
Vielleicht, dachte sie, ist mein Panzer nicht nur ein Haus.
Vielleicht ist er eine Landkarte.
Von da an begann sie, Räume anders zu betrachten.
Sie bemerkte Türen, die Unruhe machten.
Licht, das zu grell auf Tischen lag.
Stühle, die keinen Rückzug erlaubten.
Flure, in denen Menschen einander ständig ausweichen mussten.
Aber sie sah auch Möglichkeiten.
Eine Ecke konnte Schutz geben.
Ein Wegweiser konnte Unsicherheit nehmen.
Eine klare Ordnung konnte Kraft sparen.
Ein Raum konnte sagen:
Du musst hier nicht kämpfen.
Du darfst erst einmal ankommen.
Da verstand die Schildkröte ihren Auftrag.
Sie wollte den Menschen nicht zeigen, wie ein Raum aussehen sollte.
Sie wollte ihnen helfen, genauer hinzusehen.
Wo entsteht Ruhe?
Wo fehlt Orientierung?
Wo braucht ein Mensch Abstand, Klarheit oder einen sicheren Platz?
Seitdem zieht die Schildkröte als Raumlotse bevorzugt durch Schulen und andere Bildungsorte.
Langsam, aufmerksam und mit einer Landschaft auf dem Rücken.
Sie baut die Räume nicht für die Menschen.
Aber sie hilft ihnen, Räume zu gestalten, in denen Menschen gesund lernen, arbeiten und wachsen können.
-Awi-
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